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Seite 8: Methoden und Anwendungsgebiete der Sekundärdatenanalyse in der Versorgungsforschung

Bibl. Angaben: Swart, Enno (2018): Methoden und Anwendungsgebiete der Sekundärdatenanalyse in der Versorgungsforschung. Habilitationsschrift. Medizinische Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Magdeburg. Aus dem Institut für Sozialmedizin und Gesundheitsökonomie.

Zusammenfassung: Durch die kleinräumige Analyse des Versorgungsgeschehens können Patientenwanderungen innerhalb eines Bundeslandes und über dessen Grenzen hinaus abgebildet werden, der Wechsel der Perspektive zu einzelnen Leistungserbringern kann deren Versorgungsposition relativ zu benachbarten und/oder strukturgleichen Krankenhäusern abbilden.

Variationen sind besonders ausgeprägt, wo es sich um nicht-akute, elektive Behandlungsanlässe bzw. Operationen handelt, bei denen Einflüsse unterschiedlicher Indikationsstellungen besonders zum Ausdruck kommen. Mit derartigen Analysen konnte erstmalig auch in Deutschland das Phänomen der ‚small area variation‘ (Wennberg) als Regel- und nicht Ausnahmefall der medizinischen Versorgung gezeigt werden.

Vorwiegend sind sektorübergreifende Analysen besser geeignet, um Versorgungskarrieren abzubilden und eine Bewertung der Qualität der Versorgung im Sinne einer Orientierung an krankheitsspezifischen Leitlinien vorzunehmen. Die sektorübergreifende Analyse der GKV-Routinedaten ist mittlerweile das Standardvorgehen bei diagnosespezifischen Studien.

Entwicklung einer gemeinsamen Initiative von Kostenträgern und Leistungserbringungen für eine Qualitätssicherung mit Routinedaten (QSR) ist als Ergänzung und Fortentwicklung der vielfach kritisierten externen Qualitätssicherung anzusehen, deren Reichweite anders als die der Routinedaten nur bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus reicht.

Neben bestehenden epidemiologischen Standards wie die Gute Epidemiologische Praxis (GEP) gilt die Gute Praxis Sekundärdatenanalyse (GPS) als geeignete Anleitung für Forscher, da sie als Bewertungskriterien für Dateneigner und Forschungsförderer bei der Prüfung von Nutzungs- und Förderanträgen dienlich ist. Damit die Validität von Ergebnissen bewertet werden kann, erwies sich STROSA (STandardisierte BerichtsROutine für SekundärdatenAnalysen) als ein eigenständiger, auf die besonderen deutschen Rahmenbedingungen angepasster Berichtsstandard für Sekundärdatenanalysen als notwendige Orientierung.

In Anerkennung der Stärken und Limitationen von Sekundärdaten, aber auch von Primärdaten aus klinischen und epidemiologischen Studien, erscheint ein individuelles Datenlinkage von Primär- und Sekundärdaten als vielversprechender Ansatz, um die jeweiligen Grenzen der Daten (von Primärdaten aus klinischen und epidemiologischen Studien) zu überwinden bei gleichzeitiger Nutzung von Synergieeffekten.

Einordnung in den Kontext des Pandemiemanagements: Diese Arbeit gibt eine Übersicht über maßgebliche Studien der Sekundärdatenanalyse und die Entwicklung dieses Forschungszweigs in den letzten 20 Jahren. In der Zusammenschau von rund 20 Originalpublikationen werden Potenziale und Limitationen der Sekundärdatenanalyse beschrieben und vertiefende Referenzen aufgeführt.