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Seite 6: Expertise für Bundesärztekammer im Rahmen der Förderinitiative zur Versorgungsforschung – Expertise zum Thema: Notwendigkeit des Datenzugangs und der Datentransparenz für ärztliche Körperschaften

Bibl. Angaben: Swart, Enno; Schubert, Ingrid; Ihle, Peter; Robra, Bernt-Peter (2010): Expertise für Bundesärztekammer im Rahmen der Förderinitiative zur Versorgungsforschung. Expertise zum Thema: Notwendigkeit des Datenzugangs und der Datentransparenz für ärztliche Körperschaften. Hg. v. PMV Forschungsgruppe. Köln, Magdeburg.

Zusammenfassung: Es liegen zahlreiche Datenbestände (versichertenbezogen) vor. Deren Nutzung seitens der Datenhalter (Krankenkassen, Kassenärztliche Vereinigungen) ist durch das SGB geregelt und bezieht sich auf gesetzlich festgelegte Aufgaben. Darüber hinaus werden Daten der GKV für Forschungsprojekte der Versorgungsforschung genutzt.

Datentransparenz ist eine wesentliche Voraussetzung, um einen Diskurs über die Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung kompetent (d. h. mit Evidenz versehen) führen zu können. Hierfür ist ein geregelter Datenzugang notwendig. Die strategische Mitwirkung an der gesundheitlichen Sicherung und der Gestaltung der Krankenversorgung auf Systemebene ist für die Ärzteschaft wie auch für andere Akteure ohne gründliche Kenntnis der Morbiditätsentwicklung, des Status quo und der zeitlichen Trends der Versorgung nicht möglich. Ein Qualitäts- und Leistungswettbewerb kann sich nur auf der Basis von Markttransparenz entwickeln. Auf dem Weg zu dieser Leistungstransparenz sind deshalb die vorhandenen Routinedaten für alle Akteure mit Gestaltungsverantwortung im Gesundheitswesen verfügbar zu machen. Eine solche Datentransparenz ist durch den §303 SGB V zwar vorgesehen, diese Regelung wurde jedoch bislang nicht umgesetzt.

Die Expertise empfiehlt die Einrichtung eines kontinuierlichen Forschungsdatensatzes auf der Basis einer hinlänglich großen, unverzerrten, (pseudonymisiert) versichertenbezogen, kassenarten- und sektorübergreifend erhobenen Stichprobe, der einem umschriebenen Nutzerkreis zu festgelegten Nutzungsbedingungen zur Verfügung steht. Ein erster Schritt zur Bereitstellung von Daten könnte nach Auffassung der Autoren darin bestehen, einem erweiterten Nutzerkreis einen Zugang zu den Daten des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs (Morbi-RSA) zu gewähren und damit dessen Nutzungsmöglichkeiten zu erweitern.

Ein Datensatz für Versorgungsforschung und Qualitätssicherung als Scientific Use File (SUF) benötigt eine verantwortliche Trägerschaft, die beispielsweise in Anlehnung an die Forschungsdatenzentren der statischen Ämter (FDZ) durch die Ärzteschaft oder durch eine öffentliche Einrichtung wie das RKI, das DIMDI oder die FDZ aufgebaut und betrieben werden könnte. Damit sollte die Einrichtung eines »Forums« für die (fach-)öffentliche Diskussion über die Datengrundlage und die methodischen Aspekte der Sekundärdatenforschung sowie zur Interpretation der Daten und darauf gestützter Schlussfolgerungen verbunden werden. Die Datentransparenz sollte mit einer Studientransparenz einhergehen.

Einordnung in den Kontext des Pandemiemanagements: Dieses Gutachten ergänzt das Gutachten von Mansky und Nimptsch innerhalb der gleichen Ausschreibung. In der tendenziell gleichen Würdigung der verschiedenen Datenquellen werden andere Akzente in der Bewertung der Nutzungsvoraussetzungen gesetzt. Expert:innen aus der Pandemiebekämpfung bzw. des –managements können hier explizit als potenzielle Nutzergruppe für die öffentlich zugänglichen Datenquellen gesehen werden.