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Seite 17: Sekundärdatenanalyse in der Versorgungsepidemiologie

Bibl. Angaben: Hoffmann, W.; Bobrowski, C.; Fendrich, K. (2008b): Sekundärdatenanalyse in der Versorgungsepidemiologie: Potenzial und Limitationen. In: Bundesgesundheitsblatt, Gesundheitsforschung, Gesundheitsschutz 51 (10), S. 1193–1201. DOI: 10.1007/s00103-008-0654-y.

Zusammenfassung: Die Epidemiologie des bevölkerungsbezogenen Versorgungsangebotes, -bedarfes und der Versorgungsqualität (Versorgungsepidemiologie) rückt angesichts der Herausforderungen des demographischen Wandels sowie des Kostendrucks im Gesundheitswesen zunehmend in das Interesse von Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit. Versorgungsepidemiologische Forschung umfasst dabei sowohl hypothesenbasierte Analysen als auch die Entwicklung, Implementation und ergebnisbasierte Evaluation spezifischer Interventionen, beispielsweise innovativer Versorgungskonzepte. Die in der realen Versorgungssituation vorhandene Komplexität erfordert in der Regel die Einbeziehung multipler Dimensionen.

Sekundärdaten weisen eine Reihe von Vorteilen (z. B. Praxisnähe, Verfügbarkeit, Vollständigkeit, kostengünstiger Zugang) auf, die sie zu einer wichtigen Ressource in der bevölkerungsbezogenen Versorgungsforschung machen. Gleichzeitig bedingen sowohl Entstehung als auch Nutzung der Sekundärdaten im versorgungsepidemiologischen Forschungskontext systematische Limitationen, die insbesondere aus der zweckbezogenen bzw. zweckgebundenen Datengewinnung resultieren. Für viele Fragestellungen sind zudem keine Sekundärdatenquellen verfügbar (z. B. Anteil bisher unversorgter Morbidität). In diesen Fällen ist zusätzlich eine epidemiologische Primärdatenerhebung notwendig.

In der Zusammenführung von Sekundär- mit Primärdaten liegt ein erhebliches Potenzial. Zukünftige Herausforderungen betreffen die personenbezogene Zusammenführung von Sekundärdaten aus verschiedenen Quellen und die Integration von Sekundär- und Primärdaten für die versorgungsepidemiologische Forschung.

Einordnung in den Kontext des Pandemiemanagements: Die vorliegende Arbeit ist eine gute Einführung in die Potenziale und Limitationen der Sekundärdatenanalyse und zeigt die Möglichkeiten einer synergistischen Nutzung von Primär- und Sekundärdaten. Diese Überlegungen können als Einstieg in die Diskussion zur alleinigen oder ergänzenden Nutzung von Sekundärdaten im Zuge der Pandemiebekämpfung verstanden werden.