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Seite 15: Inanspruchnahme von Gesundheitsdiensten durch Menschen mit psychischen Erkrankungen

Bibl. Angaben: Gaebel, Wolfgang; Kowitz, Sandra; Fritze, Jürgen; Zielasek, Jürgen (2013): Use of health care services by people with mental illness: secondary data from three statutory health insurers and the German Statutory Pension Insurance Scheme. In: Deutsches Arzteblatt international 110 (47), S. 799–808. DOI: 10.3238/arztebl.2013.0799.

Hintergrund: Eine disziplin- und sektorspezifische Analyse der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen durch Menschen mit psychischen Erkrankungen in Deutschland ist ein unverzichtbares Hilfsmittel für die Planung einer angemessenen Grundversorgung.

Methoden: Es wurden Sekundärdaten von drei gesetzlichen Krankenkassen und der Deutschen Rentenversicherung für den Zeitraum 2005-2007 ausgewertet, um Versicherte mit psychischen Erkrankungen (ICD-10 Diagnosegruppen F0-F5) zu identifizieren.

Ergebnisse: Im Zeitraum 2005-2007 hatten 3,28 Millionen (33%) von 9,92 Millionen Versicherten mindestens einen Kontakt mit dem Gesundheitssystem, bei dem eine psychische Störung diagnostiziert wurde. 50,4 % (1 651 367) dieser Versicherten hatten mindestens zwei psychische Störungen. Bei fast allen (98,8 %) der Versicherten mit einer psychiatrischen Indexdiagnose wurde auch mindestens eine somatische Diagnose kodiert. 95,7 % der Behandlungen wurden ambulant durchgeführt. Die somatischen Fachrichtungen erbrachten den Großteil der Behandlungen sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich. Beispielsweise wurden 77,5 % der Personen mit schweren Depressionen mit fünf Behandlungsarten behandelt, die ausschließlich von niedergelassenen Hausärzten und anderen Fachärzten für somatische Medizin erbracht wurden, manchmal in Kombination mit psychiatrischer Behandlung oder Psychotherapie.

Schlussfolgerung: Es lag eine hohe Komorbidität von psychischen und somatischen Erkrankungen vor. Die Tatsache, dass die überwiegende Mehrheit der Behandlungen im ambulanten Setting erfolgte, impliziert, dass die sektor- und fachübergreifende Zusammenarbeit im Gesundheitswesen verstärkt werden sollte und dass Maßnahmen ergriffen werden sollten, um eine angemessene psychiatrische Grundversorgung durch Hausärzte sicherzustellen.

Einordnung in den Kontext des Pandemiemanagements: Die Bewältigung der Corona-Pandemie geht vielfach mit psychischen Belastungen und Erkrankungen und einer entsprechenden Nutzung des Versorgungssystems einher sofern nicht individuelle oder strukturelle Gründe dagegensprechen. Die Publikation zeigt beispielhaft die Möglichkeit der Abbildung des krankheitsspezifischen Versorgungssystems.