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Seite 13: Interne Validierung von Diagnosen in GKV Routinedaten: Konzeption mit Beispielen und Falldefinition

Bibl. Angaben: Schubert, I.; Ihle, P.; Köster, I. (2010): Interne Validierung von Diagnosen in GKV-Routinedaten: Konzeption mit Beispielen und Falldefinition. In: Gesundheitswesen (Bundesverband der Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (Germany)) 72 (6), S. 316–322. DOI: 10.1055/s-0030-1249688.

Zusammenfassung: Daten der Gesetzlichen Krankenversicherung haben in den letzten zehn Jahren für die Versorgungsforschung an Bedeutung gewonnen. Besonderes Interesse gilt hierbei den Diagnosen. Für alle Daten gilt, dass sie primär zu Abrechnungszwecken erhoben wurden und deshalb im Rahmen einer sekundären Analyse die Vollständigkeit, Plausibilität und Validität der Angaben zu prüfen ist. Hierbei wird eine externe Validierung, z. B. durch Vergleich mit den Aufzeichnungen des behandelnden Arztes oder durch eine unabhängige erneute medizinische Untersuchung, im Allgemeinen als Goldstandard bezeichnet, ist aber meist nicht möglich. Die in Routinedaten dokumentierten Diagnosen können jedoch durch weitere Informationen aus demselben Datenbestand intern validiert werden. Hierzu gibt es keine empfohlene Vorgehensweise.

Ziel des Beitrages ist es, ein generisches internes Validierungskonzept für chronische Erkrankungen vorzustellen. Datenbasis ist die Versichertenstichprobe AOK Hessen/KV Hessen. Für drei chronische Erkrankungen– Herzinsuffizienz, Demenz und Tuberkulose – werden Kriterien zur Einschätzung der Validität der Diagnosen (z. B. Wiederholungen, Kodierung durch verschiedene Ärzte, Verordnungen) vorgestellt. Darauf aufbauend werden Algorithmen für die Definition epidemiologisch sicherer Fälle entwickelt und die darauf beruhenden Prävalenzschätzungen mit Ergebnissen anderer Datenquellen (Register und Survey) verglichen. Die Diagnosen „Herzinsuffizienz“ und „Demenz“ lassen sich zu 97 % bzw. 80 % intern bestätigen. Der vergleichsweise niedrige Prozentsatz bei Demenz ist durch die geringe Behandlungsrate der Demenzpatienten mit spezifischen Arzneimitteln bedingt.

Die Prävalenzschätzungen zeigen eine gute Vergleichbarkeit mit Ergebnissen aus anderen Datenquellen. Bei der „Tuberkulose“ können stationäre Entlassungsdiagnosen intern zu 100 %, ambulante Diagnosen jedoch nur zu 40 % bestätigt werden. Aus diesem Grund wurden die ambulanten Diagnosen nicht für die Falldefinition berücksichtigt. In der Versichertenstichprobe liegt die Inzidenz der Tuberkulose im Vergleich zu den Meldedaten etwas höher. Die Wahl und Gewichtung der Validierungskriterien sowie die Falldefinition müssen die Zielsetzung der geplanten Untersuchung berücksichtigen. Die Vorgehensweise ist transparent darzustellen.

Einordnung in den Kontext des Pandemiemanagements: Diese Originalpublikation liefert eine kompakte Darstellung der Möglichkeiten der internen Diagnosevalidierung. Diese Ansätze können modifiziert auf die Validierung von pandemie-relevanten Diagnosen übertragen werden (spezifischer und unspezifischer Art).