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Seite 12: Diagnosenkodierung in deutschen Arztpraxen aus klassifikatorischer Sicht: Eine retrospektive Studie mit Routinedaten

Bibl. Angaben: Carnarius, Sebastian; Heuer, Joachim; Stausberg, Jürgen (2018): Diagnosenkodierung in deutschen Arztpraxen aus klassifikatorischer Sicht: Eine retrospektive Studie mit Routinedaten. In: Gesundheitswesen (Bundesverband der Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (Germany)) 80 (11), S. 1000–1005. DOI: 10.1055/s-0043-125069.

 Ziel der Studie: Niedergelassene Haus- und Fachärzte behandeln ein breites Spektrum an Erkrankungen. Das Kodieren von Diagnosen erfolgt mittels der jahresaktuellen Version der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, 10. Revision, German Modification (ICD-10-GM). Das Ziel dieser Studie war, die aktuelle Breite und Tiefe der Diagnosedokumentation in der vertragsärztlichen Versorgung zu beschreiben. Unter den gegebenen Rahmenbedingungen konnte diese in einer Nutzung unterschiedlichster, aber vielfach nicht-terminaler ICD-10-GM-Kodes erwartet werden.

Methodik: Der retrospektiven Studie lagen Abrechnungsdatensätze von 900 Praxen aus 13 Arztgruppen der KV-Regionen Brandenburg und Nordrhein aus dem Abrechnungszeitraum Oktober 2014 – September 2015 zu Grunde. Eingeschlossen wurden 22 287 583 Datensätze. Der normierte Gini-Koeffizient wurde als Maß zur Darstellung der Konzentration verwendet.

Ergebnisse: Der Anteil terminaler ICD-10-GM-Kodes an der Gesamtheit der Datensätze lag bei 97,6 %. Hierbei verzeichneten die HNO-Ärzte den größten Anteil (99,6 %), den geringsten Anteil die Orthopäden und Kardiologen (jeweils 94,0 %). Die größte Breite an unterschiedlichen ICD-10-GM-Kodes zeigte sich bei den Hausärzten (71,1 % aller terminalen Kodes), die geringste Breite bei den Augenärzten (22,9 %). Die geringste Konzentration von ICD-10-GM-Kodes zeigte sich bei den Hausärzten (Gini-Koeffizient: 0,56), die größte Konzentration bei den Augenärzten (0,93).

Schlussfolgerung: Die Fachärzte nutzten hauptsächlich ein umschriebenes Set an ICD-10-GM-Kodes. Hausärzte nutzten nicht nur eine sehr weite Palette von ICD-10-GM-Kodes sondern kodierten diese sehr häufig terminal. Dies spricht für eine hohe Kodierqualität.

Einordnung in den Kontext des Pandemiemanagements: Die Frage der Validität der Diagnosedokumentation ist ein zentrales Thema in der Diskussion der wissenschaftlichen Nutzbarkeit von Sekundär-/Abrechnungsdaten. Die Validität der vertragsärztlichen Diagnosedokumentation ist relevant, wenn es z.B. um die Langzeitbeobachtung von Covid19-Patient:innen bzgl. Folgemorbidität geht oder um die Risikoadjustierung bzgl. in die stationäre Versorgung ‚mitgebrachter‘ Komorbidität.