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Seite 11: Verwendung von Krankenhausabrechnungsdaten für die Versorgungsforschung in Deutschland

Bibl. Angaben: Nimptsch, Ulrike (2018): Verwendung von Krankenhausabrechnungsdaten für die Versorgungsforschung in Deutschland. Using hospital discharge data for health services research in Germany. Dissertation. Technischen Universität Berlin, Berlin. Fakultät VII – Wirtschaft und Management.

Zusammenfassung: Seitdem die akutstationären Krankenhausleistungen in Deutschland auf der Grundlage des fallpauschalierenden Vergütungssystems der Diagnosis Related Groups (DRG) vergütet werden, sind in den administrativen Datenbeständen der deutschen Krankenhäuser umfassende medizinische Informationen verfügbar. Da die Abrechnung nach dem DRG-System für nahezu alle Patienten und alle Krankenhäuser zur Anwendung kommt, liegt mit den sogenannten DRG-Daten eine Vollerhebung des akutstationären Versorgungsgeschehens in deutschen Krankenhäusern vor. Die DRG-Daten sind für wissenschaftliche Zwecke zugänglich. Da diese Daten die Versorgungsrealität abbilden und ohne zusätzlichen Erhebungsaufwand analysiert werden können, haben sich daraus neue Möglichkeiten für die Versorgungsforschung ergeben. Die Aussagekraft von Analysen dieses Datenbestandes hängt jedoch entscheidend von einer sachgerechten Operationalisierung der jeweiligen Fragestellung unter Berücksichtigung der verfügbaren Dateninhalte und des Erhebungskontextes ab.

Die vorliegende kumulative Dissertation beschreibt die Eigenschaften der DRG-Daten und demonstriert anhand von drei bereits publizierten Analysen, wie diese Daten zur Bearbeitung von Fragestellungen der Versorgungsforschung genutzt werden können. Das erste Manuskript zeigt bezogen auf die akutstationäre Schlaganfallbehandlung wie die Entwicklung der Versorgungslast und der Versorgungsqualität beschrieben werden kann. Als Beispiel für die Evaluation neuer Versorgungsstrukturen wird im zweiten Manuskript der Einfluss der Finanzierung der Stroke-Unit Behandlung auf die Verbreitung von Stroke-Units an den Krankenhäusern und auf die Entwicklung der Sterblichkeit bei Schlaganfallpatienten nach Einführung von Stroke-Units betrachtet. Im dritten Manuskript wird die Entwicklung der DRG-Daten am Beispiel der Nebendiagnosenkodierung untersucht, um die Datenqualität und deren Einfluss auf die Auswertungsmöglichkeiten im zeitlichen Verlauf zu bewerten.

Anhand der drei Analysen wird demonstriert, dass die bundesweiten fallbezogenen Abrechnungsdaten der deutschen Akutkrankenhäuser eine Datenquelle für die Versorgungsforschung in Deutschland sind, auf deren Grundlage zahlreiche Fragestellungen bearbeitet werden können. Da diese Daten über mehrere Jahrgänge vorliegen, können damit zeitliche Entwicklungen, wie z.B. die Verbreitung neuer Behandlungsmethoden, beschrieben werden. Daneben können auch Verbesserungspotentiale in der Versorgung aufgezeigt werden. Die Vorteile der DRG-Daten liegen in der Vollständigkeit, dem Bevölkerungsbezug, den einheitlichen Regeln für die Datendokumentation und einer relativ weitreichenden Datenkontrolle. Daher lässt sich die Versorgungssituation im Krankenhaussektor anhand dieser Daten sehr gut abbilden. Ebenso wie andere Datenquellen, die für die Versorgungsforschung genutzt werden, haben auch die DRG-Daten spezifische Besonderheiten und Einschränkungen.

Eine Auseinandersetzung mit den Eigenschaften der verwendeten Daten ist notwendig, um diese im Studiendesign und bei der Interpretation und Diskussion von Ergebnissen angemessen berücksichtigen zu können.

Einordnung in den Kontext des Pandemiemanagements: Es kann angenommen werden, dass sich ein universitätsmedizingestütztes Pandemiemanagement maßgeblich auf Krankenhausabrechnungsdaten stützt. Diese Monographie beschreibt substanziell Potenziale und Limitationen der DRG-gestützten Abrechnungsdaten der Krankenhäuser, allerdings ohne die klinischen Daten von Krankenhausinformationssystemen (KIS).