Springe zum Inhalt

AP 4.2: Partizipative Entscheidungsfindung und ethische Aspekte der Risikostratifizierung und des Pandemiemanagements

OnCoVID-II: Partizipative Entscheidungsfindung und ethische Aspekte der Risikostratifizierung und des Pandemiemanagements

Durch die COVID-19-Pandemie ergaben sich vielfältige Veränderungen in der allgemeinen Krankenversorgung. Die Komplexität dieser Änderungen erfordert es auch, ethische und medizinisch-rechtliche Aspekte der medizinischen Versorgung zu berücksichtigen. Im Rahmen des durchzuführenden Projekts soll untersucht werden, inwiefern es durch COVID-19 zu quantitativen und qualitativen Veränderungen in der onkologischen und psychiatrischen Behandlung gekommen ist, und welche potentiellen Entscheidungs- und Wertekonflikte dadurch entstanden sind. Hierzu werden Ärzte, Pflegekräfte und Patienten aus deutschlandweit verteilten onkologischen und psychiatrischen Behandlungszentren anhand spezifischer Fragebögen befragt. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse wird eine umfassende Bewertung der ethischen und medizinisch-rechtlichen Aspekte für die onkologische und psychiatrische Krankenversorgung während einer Pandemie entwickelt. Handlungsempfehlungen zur partizipativen Entscheidungsfindung für ein zukünftiges Pandemiemanagement werden abgeleitet.

Hintergrund und Problemstellung

Hintergrund: Entscheidungen über die medizinische Versorgung müssen immer patientenzentriert, d.h. vor dem Hintergrund der spezifischen Bedürfnisse des einzelnen Patienten getroffen werden. Neben diesen individuell-ethischen Kriterien erfordern die Ressourcenknappheit, die Priorisierung von Akutbehandlungen, die veränderte Behandlungsalgorithmen und die Veränderung von klinischen Verwaltungsprozessen, die in der Folge einer Pandemie auftreten können, auch die Berücksichtigung einer überindividuellen ethischen Perspektive. Hierbei können ethische Entscheidungs- und Wertekonflikte sowohl aus der Perspektive der Ärzte und Pflegekräfte als auch aus Patientensicht entstehen.

Ziele

  • Qualitative und quantitative Beschreibung von Entscheidungskonflikten im onkologischen (prognosedeterminiert) und psychiatrischen (perzeptionsdeterminiert) Behandlungskontext
  • Ermittlung von Einflussfaktoren auf ethische Entscheidungskonflikte während der Pandemie unter Berücksichtigung soziodemographischer, krankheitsbezogener Daten und Grad der Pandemie-Betroffenheit
  • Bestimmung von regionalen Gemeinsamkeiten und Unterscheiden.
  • Ethische und normative Bewertung von Versorgungsszenarien unter Pandemiebedingungen.

Methoden

Es werden schriftliche Befragungen von Ärzten, Pflegekräften und Patienten aus dem onkologischen und psychiatrischen Bereich durchgeführt, wobei neben wahrgenommenen Veränderungen in der Behandlung und wahrgenommenen ethischen Konflikten auch soziodemographische Informationen abgefragt werden. Deutschlandweit sollen in etwa 2000 Personen befragt werden. Diese Fragebogendaten werden mittels statistischer Methoden ausgewertet, um das Ausmaß der wahrgenommenen Veränderungen und das Auftreten von Entscheidungskonflikten in Abhängigkeit des Fachgebiets und der Region bestimmen zu können.

Erwartete Ergebnisse

  • Ausmaß der wahrgenommenen Behandlungsveränderungen und Entscheidungskonflikte im onkologischen und psychiatrischen Behandlungskontext
  • Ethische & normative Bewertung von Versorgungsszenarien unter Pandemiebedingungen
  • Handlungsempfehlungen zur partizipativen Entscheidungsfindung unter Pandemiebedingungen

Kontakt

Prof. Dr. Jörg Haier
Comprehensive Cancer Center Hannover (Claudia von Schilling-Zentrum)
Carl-Neuberg-Straße 1
30625 Hannover
ccc@mh-hannover.de