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AP 1.2: Ambulante und transsektorale Versorgung

Um in Pandemie-Situationen schnell und gezielt reagieren zu können, sind effiziente transsektorale Versorgungsstrukturen und -prozesse notwendig. In der internationalen Literatur wird dies mit dem Begriff „pandemic preparedness“ bezeichnet. Die föderalen Pandemie-Managementstrukturen in Deutschland haben dazu geführt, dass regional unterschiedliche Konzepte zur Bewältigung der SARS-CoV-2-Pandemie umgesetzt wurden. Diese regionalen Unterschiede sind ein enormer Erfahrungs- und Erkenntnisschatz, der durch das vorliegende Projekt rasch systematisch erhoben wird und im Hinblick auf „Prototypische Regionalmodelle mit jeweiligen Best Practices“ ausgewertet wird.

 

Hintergrund und Problemstellung

Ausgangspunkt ist die Erhebung von regional unterschiedlichen Versorgungs- und Entscheidungsstrukturen im bisherigen SARS-CoV-2-Pandemiemanagement. Die regionalen Gegebenheiten sind für die einzelne Versorgungseinrichtung (z. B. Hausarzt- und andere Vertragsarztpraxen, Rettungsdienste, Krankenhäuser, Pflegedienste, -einrichtungen) von zentraler Bedeutung. Diese beeinflussen a) die regionale Funktion der jeweiligen Einrichtung, b) die Schnittstellen und Übergabekriterien in der transsektoralen Versorgung sowie c) die internen Strukturen der Einrichtungen. Um im Pandemie-Setting schnell und effizient handeln zu können, sind koordinierte transsektorale Kommunikationsstrukturen notwendig, die bisherige Fragmentierungen und Kommunikationsbarrieren überwinden. In vier Unterarbeitspaketen werden Erfahrungen mit dem regionalen Pandemiemanagement durch Befragungen regionaler Akteure und Auswertung von Routinedaten erhoben.. Außerdem wird eine digitale Lösung, die eine asynchrone, chatbasierte Echtzeitkommunikation ermöglicht, pilotiert.

Das Arbeitspaket umfasst vier Unterarbeitspakete:

  • Erhebung und Beschreibung neuer Strukturen und Prozesse in der transsektoralen Versorgung
  • Quantitative Analyse von Patientenströmen mit Schwerpunkt Rettungs- und Transportwesen
  • Pilotierung einer App zum Informationstransfer zwischen Praxen und Gesundheitsämtern
  • Erhebung und Beschreibung von und Interviews zu Best Practices in der zahnärztlichen Versorgung

Ziele

Ziele sind die Erfassung und Beschreibung von Neuerungen in der transsektoralen Gesundheitsversorgung im Hinblick auf eine Identifikation bzw. Ableitung von Best Practices in der regionalen ambulanten, transsektoralen und zahnärztlichen Versorgung während der Covid-19-Pandemie. Dazu gehört auch eine Evaluation von Routinedaten der regionalen transsektoralen Versorgung, auch im Vergleich von verschiedenen Regionen. Eine transsektorale Vernetzung regionaler Versorgungsakteure, insbesondere der Gesundheitsämter und Leistungserbringer mittels chatbasierter, verschlüsselter, dezentraler Kommunikationsplattform wird in einer Pilotstudie evaluiert.

 

Methoden

Es wird eine Mixed-Methods-Studie durchgeführt, bestehend aus (a) bundesweiter standardisierter Online-Befragung relevanter Stakeholder (s. Zielgruppen), (b) darauf aufbauenden vertieften telefonischen Interviews und Fokusgruppen (webbasiert) mit Stakeholdern, (c) strukturierten Gruppendiskussionen vorläufiger Analyseergebnisse mit Advisory Board.

Zusätzlich erfolgt die Akquise von Routinedaten aus den unterschiedlichen Bereichen der regionalen Versorgung (u.a. Abrechnungsdaten aus dem ambulanten Bereich, Transportdaten von Rettungsleitstellen, §21-Daten zur Entwicklung der Aufnahme- und Entlassungsdiagnosen, Verweildauern, ÖGD).

Es erfolgt die Implementierung einer sicheren Echtzeitkommunikationsplattform (App) für Hausärzte in zwei Modellregionen (ca. 30 beteiligte Praxen und weitere regionale Versorgungsakteure) mit Evaluation (Akzeptanz/Nutzung der Plattform, Änderungen von Kommunikation und Vernetzung).

Mittels Literaturrecherche werden international Best Practices für die zahnärztliche Versorgung analysiert und deren Umsetzbarkeit und durch qualitative Interviews mit Stakeholdern bewertet.

Erwartete Ergebnisse

Es wird erwartet, regionale Strategien für ein ambulantes und transsektorales Pandemiemanagement zu identifizieren, um Best Practices und Prototypen abzuleiten. Zentral ist ein Vergleich der Kommunikationswege und Koordinierung von präklinischen Patientenkontakten und -transporten durch spezialisierte Corona-Leitstellen vs. traditionelle Dispositionsstrukturen für den Rettungsdienst sowie der Vergleich von Regionalmodellen hinsichtlich Kommunikationswegen und Koordinierung zur erfolgreichen Implementierung der Kommunikationsplattform geplant. Darüber hinaus erwarten wir erste Einblicke in die Machbarkeit und Akzeptanz einer solchen Kommunikationsstruktur in der Pandemie.

Wir erwarten darüber hinaus eine Übersicht, Bewertung und Einordnung verschiedener Methoden zum Pandemiemanagement im zahnärztlichen Umfeld erarbeiten zu können, um hieraus konkrete Empfehlungen für Praxen und Kliniken abzuleiten.

Kontakt

Univ.-Prof. Dr. med. Birgitta Weltermann, MPH(USA)
Fachärztin für Allgemeinmedizin und Innere Medizin
Direktorin, Institut für Hausarztmedizin
Universitätsklinikum Bonn, Universität Bonn
Institut für Hausarztmedizin
Universitätsklinikum Bonn
Venusberg-Campus 1
Gebäude 05 (Augenklinik) 1. OG
53127 Bonn
Tel.: +49 (0) 228-287 11156 (Sekretariat)
Fax: +49 (0) 228-287 11160
E-Mail:
birgitta.weltermann@ukbonn.de 

Univ.-Prof. Dr. Katrin Balzer
Professur Evidenzbasierte Pflege
Leitung Sektion für Forschung und Lehre in der Pflege
Universität zu Lübeck
Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie
Sektion für Forschung und Lehre in der Pflege
Ratzeburger Allee 160, Haus 50.1
23562 Lübeck
Tel. +49 (0) 451 500-51262
Fax +49 (0) 451 500-51264
E-Mail
katrin.balzer@uksh.de 

Univ.-Prof. Dr. Sebastian Stehr  
Direktor Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie
Universitätsmedizin Leipzig  
Liebigstrasse 20  
04103 Leipzig    
Tel. +49 (0) 341 97 17700  
E-Mail: sebastian.stehr@medizin.uni-leipzig.de 

 Univ.-Prof. Dr. med. Ferdinand M. Gerlach, MPH
Institut für Allgemeinmedizin
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Theodor-Stern-Kai 7, Haus 10 C
D-60590 Frankfurt am Main
Tel.: +49 (0) 69-6301-5687
Fax.: +49 (0) 69-6301-6428
E-Mail:
gerlach@allgemeinmedizin.uni-frankfurt.de 

Univ.-Prof. Dr. Sebastian Paris
Wissenschaftlicher Direktor
Centrum 3 für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
Abteilung für Zahnerhaltung und Präventivzahnmedizin
Charité - Universitätsmedizin Berlin
Aßmannshauser Str. 4-6
14197 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 450 562 332
Fax: +49 (0) 30 450 562 932
Email sebastian.paris@charite.de

Prof. Dr. Falk Schwendicke, MDPH
Direktor
Abteilung für Orale Diagnostik, Digitale Zahnheilkunde und Versorgungsforschung
DGZ-Spezialist für präventive und restaurative Zahnerhaltung
CharitéCentrum 3 für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Aßmannshauser Str. 4-6
14197 Berlin
Tel. 030-450662207 (Abteilungskoordinatorin Frau N. Ali)
Tel. 030-450662556
Fax. 030-4507562556
Mail: falk.schwendicke@charite.de